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Auf der Suche nach Erholung

Die meisten Erwachsenen denken, Ferien seien zu oft, zu lang und überhaupt unsinnig: So viel Freizeit, in der die Zeit unnütz totgeschlagen wird und man doch nichts fürs Leben lernt. Mit diesem Artikel möchten wir diese Behauptungen endgültig aus dem Weg räumen! Lest hier mehr...

5 Uhr Die ersten Vögel zwitschern, die Sonne scheint immer heller, um die Menschen aus ihrem Schlaf zu reißen. Ursprünglich. Denn in den Ferien ist für Schüler nichts normal. Dann herrscht ein anderes Prinzip: Die Rolläden sind fest verschlossen, kein Laut dringt aus ihren Zimmern. Es ist still.

Völlig entnervt vom vorangegangenen Ferientag schläft Tina und träumt von besseren Zeiten.

10 Uhr Ein Weckerklingeln. Tina* dreht sich leise fluchend um. Ohne die Augen auch nur ansatzweise zu öffnen, stellt sie ihren Wecker zwei Stunden weiter. Ein funktionierender Automatismus, der sich bewährt hat. Warum sie nicht schon am Abend den Wecker anders gestellt hat? Der Grund ist schlechtes Gewissen. Jeden Abend der gleiche Gedanke: Tina müsste eigentlich etwas tun, viel tun. Ein Buch für Französisch lesen, anfangen die Facharbeit zu schreiben, das Zimmer aufräumen und Vokabeln lernen. Am Abend ist die Entscheidung gefallen; Tina wird morgen arbeiten. Doch jetzt denkt Tina nicht mehr, im Schlaf kann man kein schlechtes Gewissen haben und so kann sie seelenruhig weiterschlafen.

12 Uhr Weckerklingeln. Das zweite. Tina seufzt, murrt, aber es nützt ja alles nichts. Mühsam setzt sie ein Fuß vor den anderen und wandert in Richtung Badezimmer. Langsam und gemächlich.

13 Uhr Tina ist jetzt fertig: Geduscht, Zähne geputzt und angezogen. Ihr Frühstück besteht aus einem Brötchen mit Nutella, welches sie vor ihrem PC verspeist. Die ersten Freunde sind jetzt auch wach, also hat sie „Gesprächspartner“. Zum Glück nur zum Chatten und nicht zum Reden, nicht auszudenken, wie Tina in dieser Frühe schon Laute äußern könnte.

14 Uhr Langsam erwacht Tina aus ihrer morgendlichen Lethargie, sieht die sich auf dem Schreibtisch auftürmenden Maßen an Arbeit. Immerhin liegen sie schonmal am richtigen Platz. Das wars dann aber auch. Tina lässt sich währenddessen durch die unendlichen Weiten des Internets gleiten. Hin und da einen Blick auf den Arbeitsturm, aber schon wieder durch ein neues, achso interessantes Thema abgelenkt.

15 Uhr Lethargie endgültig überwunden. Kraft getankt. Es kann also
Tina muss jeden Satz dreimal lesen...
losgehen. Tina öffnet ihr Französischbuch und liest den ersten Satz. Einmal. Zweimal. Dreimal. Dann schaut sie vier Vokabeln nach und beginnt dann mühselig, den nächsten Satz in Angriff zu nehmen. Doch Tina kann sich nicht auf die Sätze konzentrieren. Sie denkt daran, dass sie noch 250 Seiten des Buches lesen muss, jetzt hat sie grade mal eine halbe geschafft. Rrrrrring! Voller Elan läuft Tina die Treppen herunter, hauptsache weg. Es ist Franzi, eine gute Bekannte von Tina. Ob sie Zeit zum Eisessen habe? Ja, heute habe sie noch gar nichts vor. Würde prima passen!


16 Uhr Ein großer Eisbecher wird von Tina verpeist. Zusammen mit ihrer Freundin sitzt sie in der Sonne und vergisst für einen Moment alles andere um sich herum. Für einen Moment?

17 Uhr Nur noch ein kleines bisschen Eissoße auf dem Grund des Eisbechers ist übrig. Auch in der Sonne wird es jetzt langsam kälter und die Freundinnen entschließen, wieder nach Hause zu fahren. Nur vorher kurz noch in die Stadt und nach Schuhen schauen. Aber: Hannover ist groß, das Angebot dementsprechend.

Das hat sie noch vor sich...
19 Uhr
Zuhause angekommen wirft Tina ihre neu erworbenen Schuhe, das Top und den gerade gekauften Gürtel auf das Bett und setzt sich an ihren Schreibtisch. Erneut um zu arbeiten. Nur schnell Mails abgeholt, Nachrichten gecheckt und geschaut, wer online ist. Tina hat für heute genug von Französisch. Aber da liegen ja noch 20 Bücher für die Facharbeit, die aussortiert, überprüft und markiert werden müssen. Die ersten beiden Bücher werden gleich aussortiert. Nur Schrott, findet Tina. Im dritten findet sich Interessantes, was erstmal mit einem dicken Filzer unterstrichen werden muss. Hauptsache wiederfinden.

19 Uhr 58 Minuten Pieppiep! Eine SMS: „Heute Grillen bei mir. Jeder bringt sich selbst Grillsachen plus etwas für die Allgemeinheit mit. Bis gleich, Petra“

20 Uhr Völlig abgehetzt steht Tina vor dem Einkaufsladen. Ernüchtert, verärgert. Sie hatte sich so beeilt, dass sie es bis 20 Uhr schafft; jetzt haben die Läden bis 22 Uhr auf. Mist! Ein genervtes ‚Abend’ von der Kassiererin macht sie endgültig sauer. Warum hat man in den Ferien bloß so einen Stress?

So romantisch wie auf diesem Foto, findet Tina ihre Ferien nun ganz und gar nicht.
© nichelmann.info

1 Uhr Tina kommt völlig fertig vom Grillen nach Hause und möchte nur noch ins Bett. Ihre Mutter steht jedoch schon an der Tür. Energisch. Tina hat ihr Zimmer nicht aufgeräumt. „Morgen, Mama. Versprochen.“ Tina knallt die Zimmertür zu, schmeißt ihre Sachen vom Bett auf den Boden. Fünf Minuten später liegt sie im Bett und stellt ihren Wecker auf neun Uhr. Morgen muss sie was tun, denkt Tina. Jetzt. Und Morgen früh? Naja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

* Tina steht für Schüler in den Ferien

 
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