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Ausbeutung beim Praktikum Drucken
Geschrieben von Carina Frey, dpa   
Nie ohne Geld!
Hochschulabgänger sollten Praktika gründlich auswählen

Berlin/München (dpa/gms) - Ein Examen in der Tasche garantiert noch lange keinen Job. Immer mehr Hochschulabsolventen schließen deshalb inzwischen ein Praktikum an, um sich weiter zu qualifizieren, Zeit zu überbrücken oder Kontakte zu knüpfen.

Nicht immer geht es dabei fair zu, wie eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Hans-Böckler-Stiftung ergeben hat. Zwei Drittel der Praktikanten müssen in dieser Zeit ihre Eltern um finanzielle Unterstützung bitten - denn Geld gibt es bei den Praktika oft nicht. Laut der Studie entscheiden sich 37 Prozent der Akademiker nach dem Examen für ein Praktikum. 11 Prozent absolvieren sogar zwei Praktika. Sie dauern im Schnitt sechs Monate. Mehr Zeit sollten Praktikanten nach Ansicht von Experten auch nicht investieren.

Ein angemessener Zeitrahmen seien drei Monate, sagt Frank Schneider, Vorstandsvorsitzender des Vereins Fairwork in Berlin, der sich für faire Praktika einsetzt. «Alles, was länger als sechs Monate dauert, grenzt an Ausbeutung», urteilt Annette Classen, die beim Institut Student und Arbeitsmarkt der Universität München zuständig für die Praktikumsbetreuung ist. Bei solchen Offerten biete es sich eher an, zur Zeitarbeit zu gehen: «Da sind die Einstiegsmöglichkeiten in den Beruf besser.» Außerdem gebe es dort ein Gehalt.

Praktikanten müssen sich dagegen mit einer Aufwandsentschädigung zufrieden geben - wenn es überhaupt Geld gibt. Nach der DGB-Studie sind die Hälfte der Praktika unbezahlt. «Hochschulabsolventen sollten aber keinesfalls ein unbezahltes Praktikum annehmen», rät Schneider. Ein Richtwert sei das Arbeitslosengeld II, das derzeit bei 345 Euro liegt. So hoch sollte die Aufwandsentschädigung mindestens sein. «Und wenn die Bezahlung in den ersten drei Monaten niedrig ist, sollte sie zumindest in den folgenden drei steigen», sagt Classen.

Ideal ist ein Praktikum in einer Firma, bei der eine Übernahme möglich ist. Noch wichtiger sind jedoch die Praktikumsinhalte. «Denn falls es mit der Übernahme nicht klappt, haben sie sonst die Zeit verschenkt», warnt Schneider. Die Inhalte sollten schon vor dem Praktikum in einem schriftlichen Vertrag festgehalten werden. «Wenn Sie nur den Kollegen über die Schulter schauen können, ist das nicht sinnvoll.» Der Praktikant müsse stattdessen betreut werden und aktiv mitarbeiten können.

Stellt sich im Laufe des Praktikums heraus, dass die verabredeten Inhalte nicht eingehalten werden, steht ein Gang zum Vorgesetzten an. «Das würde ich möglichst bald machen - und nicht erst, wenn schon Monate vergangen sind.» Kann oder will der Chef die Arbeitsaufgaben nicht ändern, rät Classen, den Praktikumsvertrag zu kündigen: «Das können Sie bei jedem neuen Arbeitgeber vertreten.»

Ein Praktikum ist zwar zeitaufwendig und kann anstrengend sein. Trotzdem sollte sich der Praktikant nebenher bewerben. «Denn sonst verschenken Sie viel Zeit», warnt Classen. Der Absolvent habe während des Praktikums zudem die Möglichkeit, Kontakte in der Firma zu knüpfen und sich zu erkundigen, ob in anderen Abteilungen Stellen frei werden, ergänzt Dirk Erfurth, Geschäftsführer des Münchner Universitätsinstituts.

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, schon beim Bewerbungsgespräch «auf den Tisch zu hauen» und direkt nach einer Stelle zu fragen. «Wenn Sie etwas anzubieten haben, hat die Firma auch Interesse daran, Sie einzustellen», sagt Erfurth. Betriebe suchten keine Duckmäuser. Sich durchsetzen zu können, sei auch eine Qualifikation. Wer nur aus Verzweiflung auf den Tisch haut und nichts zu bieten hat, müsse aber damit rechnen, dass ein anderer das Praktikum bekommt.

Klappt es auch nach mehrfachen Versuchen nicht mit dem Job, sollte sich der Absolvent frühzeitig Alternativen überlegen. «Bevor Sie in die Ausbeutungsschleife hineingeraten und sich mit unbezahlten Praktika erpressen lassen, sollten Sie sich nach anderen Berufen umschauen», rät Erfurth. Denn dort gibt es möglicherweise Jobs zu angemessenen Bedingungen.
 
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