pfeil-magazin.de | Der Pfeil von der Schillerschule Hannover - nur eine Schülerzeitung - Gesamtkonferenz
Hauptmenü
Startseite
alle Artikel
Pfeil JUNIOR
Downloads
Videothek
Bilder
Das große SV Blog
BACKSTAGE
Aktiv werden
Forum
Termin einsenden
Text einsenden
Onlinegames
Gesamtkonferenz Drucken
Geschrieben von Jana   
von Beamerkriegen und Gesetzesbrüchen
Die Ergebnisse der Gesamtkonferenz

Ab sofort dürfen viele Schüler in den Pausen ganz offiziell in den Klassenräumen bleiben; und das ist nur eine von vielen Neuheiten nach der Gesamtkonferenz am Montag. Wer wissen will, was noch passierte, der muss weiterlesen.

Schnell hat er sich gefüllt, der untere Kunstraum in der Schillerschule. Es ist kurz vor vier Uhr. Beinahe einhundert Teilnehmer, bestehend aus Lehrerkollegium und Eltern- und Schülervertretern, werden in den nächsten drei Stunden Entscheidungen treffen. Eng wird es - stickig; leise beamt der Beamer sein Bild für die erste der zahlreichen Powerpointpräsentationen, die das nachmittägliche Publikum bei Konzentration halten sollen, an die Wand. (Wir werden uns den gesamten Artikel über weigern, unser Lieblingswort abzukürzen) Herr Thiemann scheint entspannt; er weiß noch nicht, dass er einen Feind hat. Um kurz vor vier Uhr hat auch der letzte Platz in der dritten improvisierten Stuhlreihe im hinteren Teil des Raumes einen dankbaren Besitzer gefunden. Jeder möchte heute dabei sein; dabei sein, wenn es um das sensible Innenleben der Schule geht, denn die geplanten Neuerungen haben es in sich.

Das erste Thema auf der unendlich lang scheinenden Liste von Tagesordnungspunkten (TOPs) ist - man sieht es ihnen förmlich an - das wohl unangenehmste für die anwesenden Lehrer. Es geht um die Bewertung der Schule durch Schulinspektoren. Der Sinn hinter dem freundlich klingenden Wort wird in einer freundlich aussehenden Powerpointpräsentation von einem freundlichen Lehrer einer Partnerschule erläutert: "Wir - er meint die Schulinspektoren - wollen kein individuelles Feedback für Lehrer geben; es geht um eine Gesamtbewertung der Schule", meint er. Die Kriterien leuchten uns ein: Neben der Lehrerleistung, die in einem unangekündigten Klassenbesuch der Inspektoren geprüft wird, zählen mehr oder weniger gleichwertig auch unverständliche Kritikpunkte wie "das Pausenverhalten der Schüler" oder ob die Schule einen vernünftigen Leitspruch hat. "Noch ein paar goldene, gut gemeinte Regeln für Sie als Lehrer!", meint er "Wenn in der Stunde, in der wir Sie besuchen ein Schüler gerade ein Referat halten sollte, dann sorgen Sie bitte dafür, dass es gut ist! Dann bewerten wir auch den Unterricht als gut. Wir wollen aber nichts 'Langweiliges' hören."

Auf die Frage, ob es nicht besser wäre, die Lehrer einzeln zu bewerten, anstatt eine Schule durch Lehrkräfte, die nur eine bestimmte Zeit hindurch an einer Schule weilen, zu definieren, weiß er keine so rechte Antwort. Auch nicht darauf, ob sich Unterrichsqualität wirklich in zwanzig Minuten beurteilen ließe: "Ich glaube schon." ist sein kurzes Statement. Liebend gern hätten wir uns ganz der friedvollen Powerpointpräsentation hingegeben; leider war zwischenzeitlich ein Krieg ausgebrochen, ein erbitterter Kampf zwischen Mensch und Maschine, zwischen Herrn Thiemann und dem Luftstromfilter des Deckenbeamers, um genau zu sein; Herr Thiemann verlor - und das gerade in dem Augenblick, in dem in der Powerpointpräsentation von Medienkompetenz als oberstes Gebot für eine gute Schule die Rede war. Grummelnd verlässt er den Raum; einen Ersatzbeamer beschaffen - damit wieder gepowerpointet werden kann.

Die mangelnde Medienkompentenzenbeweispräsenz wird aber nicht das einzige Problem sein, das diesen vergnüglichen Tag mit zerstören wird. Die Konflikte nämlich werden immer elementarer. Nachdem einige Konzepte zur Schulhorizontserweiterung, die aber - wie alle Beteiligten versichern - keinesfalls nur wegen der bevorstehenden Schulinspektion entworfen wurden, abgehakt sind, wird es gesetzbrecherisch:

Eine schier bösartige Minderheit von engagierten Lehrkräften stellt nach Vorstellung der Idee zu einer Projektgruppe 'Drogen- und Suchtprävention an der Schillerschule' spontan den schlichtweg urdreisten Antrag zur Genehmigung und mentalen Zustimmung des Konzeptes; das sei fatal, meint da ein engagierter Lehrer aus der hinteren Ecke: "Der Antrag ist doch illegal, weil er nicht fristgerecht gestellt wurde." Eine kritische Diskussion über das Vorhandensein eines Unterschiedes zwischen Antrag zur Zustimmung einer Idee und Antrag zur Zustimmung einer Sache wird nach konzentriertem Getuschel durch die Gesprächsleiter unsachte beendet: "Interessiert Sie denn eigentlich das Inhaltliche überhaupt nicht? Wenn Sie inhaltlich ein Problem mit Drogenprävention haben, dann verraten Sie doch bitte uns allen, welches das ist!" Ein leises, einsichtiges Grummeln, dann der flüsterleise, letzte Kommentar zur Sache: "Es ist aber eben nicht den Konferenzregeln entsprechend". Dann verstummt er.

Neuerungen zur Raumöffnung

Klassenräume der 10. und 11. Klassen:
- bleiben in Pausen offen
- Ordnungsdienst hat Aufsichtspflicht
- bei Problemen zu Lehreraufsicht

Schulbibliothek und SV-Raum:
- für Still- oder Gruppenarbeit, für Kleingruppen
- auch in Freistunden geöffnet
- Schlüssel wird gegen Pfand und Unterschrift in der Cafeteria abgeholt > die Person hat dann auch Aufsicht

Computerraum:
- Schlüssel wird gegen Pfand und Unterschrift in der Cafeteria abgeholt > die Person hat dann auch Aufsicht
- in den Pausen und soweit kein Unterricht
Zum Schluss hin wird es wirklich elementar: Schulleiterin Espel stellt ihren Vorschlag zur Neugestaltung des Seminarfaches in der Oberstufe vor, den die Konferenz mit einer Mehrheit annimmt. Obwohl die Bewertungskriterien noch umstritten sind, überzeugt sie mit ihrer Idee, dass Schüler im Rahmen dieses Faches Arbeitsgemeinschaften für Sechstklässler anbieten können.


Dann, endlich dürfen wir - als Vertreter der SV - unseren eigenen, absolut legalen und fristgerecht gestellten Antrag vorstellen. Wir sind unzufrieden mit der Schulordnung und wollen, dass die Klassenräume der zehnten und elften Klassen und bestimmte Einzelräume in den Pausen unter einigen Bedingungen offen bleiben dürfen; die Bedingungen sind das Wichtige. Zwanzig Minuten kostet es, bis sie geklärt sind (Alle Details werden dazu von euren Klassenlehrern erklärt). Letztendlich dann das Glückserlebnis: Unser Antrag hat Erfolg, er wird mit nur einer Gegenstimme angenommen. "Jetzt kommt es auf die Schüler an", meinen die Lehrer, "damit die Schulordnung nicht sofort wieder geändert werden muss."

Nach drei Stunden ist der Powerpointszwang fast vergessen. Es ist unruhig geworden im Raum, beinahe laut. Die Konferenz ist zu Ende gegangen - erfolgreich - auch ohne Beamermedienkompetenz.
 
< Zurück   Weiter >
Pinnwand