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Geschrieben von Jana   
Pädagogenaufstand - alles Leerer?

Deutschstunde: Wir sollen kreativ sein und das aufschreiben, was wir gerade denken. Das sei ja gerade der Sinn der Sache - ja nicht überlegen, ob es Konsequenzen haben könnte. Das Thema sei auch egal. Also schreiben wir, ganz unzensiert, wie wir Lehrer finden. Und weil wir gemerkt haben, wie viel es über sie zu erzählen gibt, haben wir ihnen eine neue Serie gewidmet - ab jetzt jede Woche im Pfeil.



Liebe Frau Unverzagt!
viel Unverständnis warf ihr Buch auf, in dem Sie als Mutter den Kindergarten Schule verurteilen. Gelogen sei das, was Sie schreiben doch; stereotypisiere alle Leerer an unseren Schulen als frustrierte Versager, als willkürlich handelnde Anti- maximal Semierzieher, die mit ihren pädagogisch-pädophilen Spielen die PISA-Versagergeneration nur so heranzüchteten. Gelogen ist das, was Sie schreiben ganz sicher nicht.

Vor lauter verängstigten Schülern schüttelte eine sichtlich frustrierte Frau – man nannte sie Mutter – auf dem Schulhof neulich ihr Herz aus. Leerer, die dürfe man nicht bösartig nennen, sich so wenig als möglich über ‚die’ aufregen. Die könnten doch gar nichts dafür – für ihr Verhalten. „Da muss schon ganz früh etwas ganz schön schief laufen bei diesen Menschen, die sich alle bewaffnet mit jeder Menge Idealen und Wertvorstellungen auf den langen Weg zum Leeramt machten“, glaubte sie laut, „irgendetwas Gehirnwäschemäßiges.“ Da würden alle Charakterzüge plattgemacht, die positiven wie die negativen.“ Das waren ihre Worte.

Geehrte Frau Unverzagt, ich weiß nicht, ob ich diese Meinung teilen soll. Es ist aber auch nicht wesentlich. Eigentlich wollte ich in meinem Brief an Sie ein seltenes Phänomen ansprechen, von dem Sie sicherlich seltener hören. Es geht um ‚gute’ Leerer.

"Zünden kann es nur, wenn der Lehrer selbst brennt"
|Artikel auf SPIEGEL Online


Im Schulunterricht habe ich einmal ein lustiges Sprichwort gelernt; es passt wohl ganz gut: „Die Nadel im Heu- ,oder nennen wir ihn lieber Strohhaufen, finden.“ Wenn einem das gelungen ist, dann steht er vor einem: Der Leerer, der sich nicht hat erschlagen lassen von Geradeausdenken, Unterordnung, Gleichschaltung, Erfolgsneid, Charakterverzerrungstechniken und Nonsensepädagogiktheoriepaukvernatikern. Es gibt diese starken Menschen; und davon gar nicht mal so wenige. Manchmal dauert es gar eine Zeit, bis man einsieht, dass sie ihre Sache gut machen. Vielleicht weil Sie streng sind, weil Sie sich Gedanken über den Unterricht machen, weil sie ihre Schüler fordern, fördern.

Lasst uns diese Menschen Helden nennen. Sie haben es wahrlich nicht leicht in ihrem aussichtslos scheinenden Kampf gegen die Willkürfanatiker.

Lasst uns die armen Menschen – die da mal reich an Idealen waren – aber nicht verstoßen. Lasst uns sie Opfer nennen. Sie brauchen unsere Hilfe. Sie wurden verstoßen an den Helfer namens Schule als letzten Ausweg wenn andere Studiengänge belegt waren, die Noten zu schlecht oder die Ideale zu ideal schienen. Jetzt sind sie gefangen im Käfig, dem Gefängnis Schule; sie waren schlau, wussten viel zu erzählen über das Fach, das sie studiert hatten, wollten ihre Gedanken verbreiten. Leider schafften sie es nicht, die Schüler zum Zuhören zu bewegen – es gelang ihnen einfach nicht, ihre Kunde interessant zu machen; nicht durch Strafarbeiten, nicht durch Nachsitzen, nicht durch frustriertes Herumschreien auch nicht nach herzzerreißenden Weinkrämpfen. Es gelang nicht.

Denn das, das schaffen nur die Helden.

Mit den allerliebsten Grüßen
Schmidt
 
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