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Geschrieben von Administrator   
Christoph, der Lebensretter

Täglich sehen wir ihn am Himmel von Hannover, den orangenen Hubschrauber der MHH. Und täglich rettet seine Crew Menschenleben. Der Pfeil hat sie einen Tag lang begleitet.

„Ohne zu wissen, was einen erwartet.“
Es wird ein ruhiger Dienst werden für die Crew von Christoph 4. „Nur“ sechs mal wird das Team an diesem regnerisch-trüben Tag in den Hubschrauber steigen und Leben retten. Christoph ist ein Rettungshubschrauber, stationiert an der medizinischen Hochschule in Hannover. Wenn er losfliegt, geht es meist um viel: Oft sind es schwere Unfälle, zu denen er gerufen wird.
Doch noch geht es entspannt zu in Christophs Zentrale neben dem oberen Parkdeck der Medizinischen Hochschule Hannover.

Im kleinen Aufenthaltsraum sitzt die dreiköpfige Besatzung und vertreibt sich die Zeit mit Computerspielen, Fernsehen und Gesprächen. Ein großer Teil ihres Berufes besteht aus Warten. "Man muss in der Lage sein, innerhalb von kurzer Zeit von null auf hundert zu kommen", sagen sie. Und dann - um Punkt 11:15 - wird genau das zum ersten mal an diesem Tag von ihnen verlangt: Als Pilot Jürgen Fechner gerade eine neue Kanne Kaffee aufsetzen will, geht eine Meldung ein. Lautes Piepsen beschallt den Raum und ein Alarmlicht beginnt zu blinken.

"Meine Kinder müssen Helme tragen"
Volker Hubricht hat als Vater Konsequenzen aus seinen Erfahrungen gezogen. Seine Kinder müssen Helme tragen. „Wer so viele kaputte Kinderköpfe gesehen hat, wie ich, wird mich verstehen", sagt er.
Während Fechner zum Hubschrauber rennt, um die Motoren zu starten, schaut Rettungsassistent Volker Hubrich auf die Textnachricht, die ihm von einem „Pieper“ angezeigt wird: „Kind - Sturz - Barsinghausen“, liest er. Bis kurz vor Eintreffen am Einsatzort wird das alles bleiben, was er weiß. Vorbereiten könne er sich auf einen Einsatz aber ohnehin nicht, sagt er. Zusammen mit Notarzt Christian Müller eilt nun auch er zum Hubschrauber. Die Tür schlägt zu und wenige Augenblicke später ist Christoph nur noch einer kleiner Punkt am südlichen Horizont von Hannover. Seit dem Alarm sind 90 Sekunden vergangen.

Notarzt Müller
„auf alles gefasst“
Das Einzugsgebiet des Rettungshubschraubers umfasst einen Radius von 50 Kilometern. „Zwischen Unfall und dem Eintreffen des Patienten in der Klinik vergehen maximal 50 Minuten“, erzählt Volker Hubricht stolz, „In der ersten Stunde nach dem Geschehen sprechen wir von der golden hour of shock.“ „Der größte Gegner ist für uns die Zeit“, sagt das Team, „Je eher ein Patient in der MHH eintrifft, desto höher sind seine Chancen, dass er überlebt.“

Dank einer Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h ist die Crew schnell vor Ort. Über Funk haben Sie einige, wenige Details erfahren können über den Einsatz 'Kind-Sturz': Ein Rettungswagen ist mit dem kleinen zweijährigen Jungen, der sich beim Spielen verletzt hat, bereits auf dem Weg in ein Kreiskrankenhaus gewesen. Doch plötzlich hat der nicht mehr reagiert, war nicht mehr ansprechbar, sodass Christoph gerufen wurde.

„In solchen Fällen muss man sehr vorsichtig sein“, erklärt uns Notarzt Müller, „denn so etwas kann auf schwerwiegende innere Verletzungen hinweisen“.
"Emotionen behindern unsere Arbeit"
Natürlich sind Volker Hubricht und seine Crew manchmal von den Schicksalen betroffen, besonders, wenn sie mit den Opfern gesprochen haben, "aber wenn wir unsere Gefühle zeigen, behindern wir uns damit selbst bei der Arbeit und das hilft den Opfern nicht", meinen sie.
Er weiß: Er wird jetzt gebraucht als Notarzt. „Oft ist es gar nicht das Ziel, einen Patienten in die Klinik zu bringen, sondern umgekehrt, den Arzt zum Unfallort“, erfahren wir. Erst dort entscheidet sich, ob der Patient überhaupt mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht wird. In diesem Fall fällt die Entscheidung für einen Transport zusammen mit der Mutter des Jungen in die MHH aus. „Für solche problematischeren Fälle sind die kleinen Provinzkrankenhäuser oft einfach nicht ausgerüstet“, meint Notarzt Dr. Müller.

Circa dreißig Minuten nach Alarmierung landet der Hubschrauber wieder exakt auf dem großen H vor der medizinischen Hochschule. Wieder einmal eine perfekte Landung.
Technik, die Erfahrung verlangt.
Fechner ist ein erfahrener Pilot. Wenn er nicht Christoph steuert, verfolgt er Flüchtige im Polizeihubschrauber oder transportiert Politiker wie Gerhard Schröder. Die Erfahrung braucht er: „Unsere Einsatzorte sind ja nicht für eine Landung gemacht, wir müssen oft improvisieren“, erzählt er. Auf dem Flug hat sich herausgestellt: Dem Jungen geht es wieder besser, er soll trotzdem zur Beobachtung in die MHH.

Die oft schwer verletzten Patienten hingegen werden in einer beeindruckenden Kettenreaktion an ineinander greifender Teamarbeit aus dem Hubschrauber direkt in den so genannten Schockraum gebracht. Hier warten zwanzig verschiedene Ärzte, jeder auf ein eigenes Fachgebiet spezialisiert, auf den Verletzten.

Hubricht und seine Crew können erst einmal ausruhen, Gedanken über den Einsatz austauschen. Doch viel Zeit wird ihnen nicht bleiben, bis es wieder piept und er und seine Kollegen zum Hubschrauber rennen werden, wieder ohne zu wissen, was sie erwartet.

Von links: Rettungsassistent Volker Hubricht, Pilot Jürgen Fechner und Notarzt Dr. Christian Müller.
 
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